Uwe Birnstein über »Die heilende Schrift« von Stephan Krawczyk
Stephan Krawczyks Engelbuch überrascht und überzeugt. »Die heilende Schrift. 77 Imaginationen« entspringt der Feder eines Liedermachers und Autors, für den Sprache ein Lebenselixier ist. Die 77 Miniaturen zeigen Engel nicht als Kitsch oder religiösen Lehrstoff, sondern als etwas Erfahrbares: Sie erscheinen als leiser Trost, Störung der Routine oder unerwartetes Mehr im Gewohnten. Krawczyk meidet Sentimentalität und Phrasen. Das hebt sein Buch wohltuend von frommen Besinnungsbüchlein ab. Krawczyks heutige Offenheit für biblische Bildwelten hat biografische Wurzeln. In der DDR suchte er nicht den Glauben, sondern die Freiheit. Diese fand er am ehesten in den Kirchenräumen, in denen er auch als kritischer Künstler willkommen war. Seit 1985 durfte er offiziell und außerhalb der Kirchen nicht mehr auftreten. Solo und bis 1987 auch mit der Volksgruppe Liederlich stand er auf der Bühne. Sein bekanntestes Lied aus dieser Zeit: »Wieder stehen«. Heute ist Krawczyk auch ein versierter Autor. Seine Bücher sind oft autobiografisch gefärbt: »Der Narr« schildert den realsozialistischen Alltag, komisch und bitter; »Augenhöhe – Vater-Sohn-Momente« bietet zärtliche Prosa über Nähe und Verantwortung; der Roman »Mensch, Nazi« thematisiert die Begegnung mit einem Neonazi; und »Der Himmel fiel aus allen Wolken« führt auf eine deutsch-deutsche Zeitreise. Krawczyks Doppelbegabung — Lied und Literatur, Widerstand und Poesie — prägt auch sein Engelbuch. Die Texte sind kurz, eigenwillig, manchmal komisch, manchmal tröstlich. Engel erscheinen als Warnsignal, als Spiegel der Selbstwahrnehmung, als kleine Unterbrechung des Alltags. Krawczyk schärft die Wahrnehmung: Im Summen des Kühlschranks hört er Engelsstimmen erklingen, und »das All« durchzieht »ein Kanon, der uns in den Knochen steckt«. Religiöse Leser finden biblische Anklänge ohne Predigten. Das Buch liefert keine schnellen Antworten, sondern es lädt dazu ein, die Welt, den Glauben, sich selbst neu zu sehen. Und genau das wirkt »heilend«. Mit »Die heilende Schrift« legt Krawczyk einen literarischen Mutmacher vor: poetisch, alltagstauglich, geistreich. Selbst Skeptikerinnen und Atheisten finden hier Anregung über die »Engel des Alltags« nachzudenken — Begegnungen, Worte, Augenblicke, die heilsam wirken und uns verändern können. Das Buch zeigt den Glauben als eine Sprache des Alltags, als Klang, der durch das Leben trägt. Es ist ein geistliches Lesebuch für alle, die ahnen: Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde, als wir messen und berechnen können.
»Glaube und Heimat«, Mitteldeutsche Kirchenzeitung, Nr. 9, 22.02.2026
Jede Trennung eines Paares hat zwei Seiten: eine schmerzliche und eine, in de sich persönliche Freiheit ausdrückt. Das Posterpoem SICH ZU TRENNEN wirft einen liebevoll-zärtlichen Blick auf den natürlichen Abschiedsschmerz, der das Ende einer Liebe begleitet.
Lea Joan Martin Sich zu trennen Posterpoem
Künstlerische Heftedition (DIN A5) 20 Seiten · ISBN 978-3-935401-38-8 12 €, lieferbar seit März 2026
Bereits das Cover-Foto verdeutlicht, dass die Verlustangst den Kindern gilt. Vor allem bei strittigen Trennungspaaren spielt sie eine traurige Rolle — und wird selten thematisiert. Das Posterpoem ICH HATTE IMMER ANGST ist ein Gedicht über die verletzliche Seite elterlicher Liebe – über Sorge, Zweifel und eine Bindung, die einiges aushält.
Lea Joan Martin Ich hatte immer Angst Posterpoem
Künstlerische Heftedition (DIN A5) 20 Seiten · ISBN 978-3-935401-37-1 12 €, lieferbar seit März 2026
Bereits die ersten Gedichtzeilen deutet an, dass von einem Umbruch die Rede ist. Die Kinder sind ausgezogen, die Zeit der Care-Arbeit ist vorbei. Das PosterPoem NACH DER ARBEIT erzählt von Träumen, die sich verändern, und der Frage, ob Fürsorge und Freiheit, Alltag und Kunst einander ausschließen — oder ergänzen.
Lea Joan Martin Nach der Arbeit Posterpoem
Künstlerische Heftedition (DIN A5) 20 Seiten · ISBN 978-3-935401-36-4 12 €, lieferbar seit März 2026
Als ihr Mann früh an einer seltenen Form der frontotemporalen Demenz erkrankt, verändert sich das Leben einer Berliner Journalistin grundlegend. Plötzlich trägt sie allein die Verantwortung für zwei Kinder, drei und dreizehn Jahre alt, für den Lebensunterhalt – und für einen Partner, der Sprache, Orientierung und Selbstständigkeit verliert.
Der Alltag wird von Klinikfluren, Pflegegraden, Behördenwegen und existenziellen Entscheidungen bestimmt. Gleichzeitig versucht sie, ihren Kindern Halt zu geben und eine Form von Normalität zu bewahren. Tangohimmel erzählt diese Geschichte aus der Perspektive der Frau, die alles zusammenhalten muss – lebendig, präzise und ohne Beschönigung. Im Zentrum steht ihr Mut, ungewöhnliche Wege zu gehen. Sie setzt Grenzen, organisiert Hilfe und trifft schließlich eine Entscheidung, die schmerzt, aber notwendig ist: die Trennung, um ihrem Mann eine gute Versorgung zu ermöglichen und ihre Kinder zu schützen.
Zu einer entscheidenden Kraftquelle wird der Tango argentino. In der Umarmung des Tanzes findet sie Momente von Nähe, Würde und Selbstbehauptung. Aus diesen Augenblicken wächst eine Sehnsucht nach Buenos Aires – und einem Leben, das wieder Raum zum Atmen lässt. Tangohimmel verbindet ein hochaktuelles Thema mit einer starken Erzählerinnenfigur und einer besonderen, emotionalen Bildwelt. Ein berührender Roman über Care-Arbeit, Familie, Selbstschutz und die Kraft, trotz allem weiterzugehen.
Geplanter Erscheinungstermin: September 2026.Bis dahin kann das Buch zum Subskriptionspreis von 12 € unter folgendem Link bestellt werden:
Anthologie mit literarischen Texte über Sichtbarkeit, Verweigerung und digitale Barrieren
Und dann drehen wir ein kleines Video. Ein Satz, wie er heute beinahe selbstverständlich geworden ist. Für manche Menschen ist er eine Einladung. Für andere eine Zumutung.
28 Autorinnen und Autoren haben sich dem Thema kamerascheu in Gedichten, Kurzgeschichten und Erzählungen genähert. Die Texte erzählen von Menschen, die sich dem Blick der Kamera entziehen, und von anderen, die ihn suchen. Es geht um Selbstinszenierung und Überwachung, um Widerstand und Identität, um Öffentlichkeit, Privatheit und immer wieder um den Wunsch, selbst bestimmen zu dürfen, wann und wie man sichtbar wird.
Zwischen den Beiträgen begegnen wir Malou, mit der ein kleines Video gedreht werden soll. So beginnen die unterschiedlichen Perspektiven miteinander zu korrespondieren. Nach und nach tritt ein gemeinsames Thema hervor: Wie verändert die Digitalisierung unseren Blick auf uns selbst und auf andere? Und welche Freiheit liegt darin, sich diesem Blick auch entziehen zu dürfen? Kamerascheu, von vielen als zu überwindendes Hemmnis empfunden, erweist sich als eine Chance, zentrale Fragen zu stellen.
Eine literarische Anthologie über (Un-)Sichtbarkeit im digitalen Zeitalter – und über das Recht jedes Menschen, selbst zu entscheiden, wann und wie er gesehen werden möchte.
Mit Beiträgen von Gerd Meyer-Anaya, Melanie Schlämann, Mirko Swatoch, Clemens Schittko, Daniel Klaus, Harald Müller, Andreas Köllner, Andrea Voigt, Christian Knieps, Lisa Olthafer, Frederik Curczok, Michael Helming, Oliver Fahn, Angelika Zick, Florian Link, René Gatterer, Kira Huth, Ingo Cesaro, Christian Pohlenz, Sigune Schnabel, Petra Lohan, B. Jetschko, Emrys Perera, Leona Falkenstein, Bettina Hahn-Müller, Hildegard Schaefer, Angel André Osorio und Madlen Navratil.
Kamerascheu. Anthologie. Hrsg. Lea Martin. ca. 140 Seiten. Klappenbroschur. ISBN: 978-3-935401-54-8, voraussichtlicher Ladenpreis: 16 €. Voraussichtlicher Erscheinungstermin: Anfang 2027. Bis zum Erscheinungstermin kann das Buch zum Subskriptionspreis von 12 € mithilfe des folgenden Button vorbestellt werden.