»Gepäckkontrolle«

»Irgendwann musste er danach fragen. Irgendwann will jedes Kind wissen, woher es kommt. Doch woher kommt er, mein Sohn?«

Vierzehn Erzählungen über das Eindringen des Gesellschaftlichen ins Intime: über Herkunft und Begehren, Gewalt und Schweigen, Migration und politische Umbrüche – und über Menschen, die darum ringen, welche Wahrheit über ihr Leben sie mit anderen teilen und welche sie für sich behalten.

Eine alleinerziehende Mutter sucht Worte für die Herkunft ihres Sohnes. Eine junge Frau verschweigt eine Gewalterfahrung, um nicht auf sie reduziert zu werden. Eine Ehe gerät zwischen Liebe, Fluchterfahrung und gegenseitige Projektionen. Eine Reisende erlebt an der Flughafenkontrolle, wie Weltpolitik bis in den persönlichsten Raum reicht.

Die Texte spielen vor allem im Berlin der späten 1980er und frühen 90er Jahre – einer Zeit zwischen Mauerfall und Neuordnung – und erzählen von Konflikten, die bis heute fortwirken: sexuelle Gewalt, Rassismus, politische Ideologien, weibliche Selbstbestimmung, familiäre Prägungen und die Nachwirkungen deutscher Geschichte.

Die besondere Qualität dieses Bandes liegt in der Verbindung von psychologischer Präzision, gesellschaftlicher Tiefenschärfe und einer Sprache, die gedankliche Klarheit mit erzählerischer Spannung verbindet. Lea Joan Martin zeigt Innenwelten unter Druck, Identität im Konflikt und die Freiheit des Einzelnen, seine persönliche Wahrheit zu teilen – oder für sich zu behalten..

Ein Erzählband über das »Gepäck«, das Menschen mit sich tragen, und ihre Entscheidungen, was sie zurücklassen wollen.

»Kein Wort ist zu viel.« (Rezension bei Amazon von marielu92)

Lea Joan Martin: »Gepäckkontrolle«, Erzählungen, 250 Seiten, Hardcover (mit Lesebändchen), ISBN 978-3-935401-18-0, 19,90 €

Coverbild: Barbara Burck, Leipzig, „Frau mit rotem Rucksack“, 2019, Öl auf Leinwand